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Accell Group in der Krise: Wie geht es mit Haibike, Ghost und Winora weiter?

Die Accell Group hat einen Zahlungsaufschub erhalten, deutsche Tochterfirmen wie Winora Staiger und Ghost-Bikes meldeten Insolvenz in Eigenverwaltung an. Was das für Haibike, Ghost, Winora und Kundinnen und Kunden bedeutet.

Die Accell Group zählt zu den größten Fahrradunternehmen Europas. Zum Konzern gehören bekannte Marken wie Haibike, Winora, Ghost, Batavus, Koga, Lapierre, Raleigh, Babboe und XLC. Anfang August 2026 hat sich die wirtschaftliche Lage des Konzerns deutlich zugespitzt.

Zahlungsaufschub und Insolvenzanträge in Deutschland

Am 5. August 2026 erhielt die niederländische Accell Group einen vorläufigen Zahlungsaufschub. Nach eigenen Angaben kann das Unternehmen seine fälligen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr vollständig erfüllen. Wenige Tage später beantragten auch Accell Germany, Winora Staiger, Ghost-Bikes und Engelbert Wiener Bike Parts beim Amtsgericht Schweinfurt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung.

Die deutschen Geschäftsbetriebe sollen zunächst weiterlaufen. Betroffen sind rund 370 Beschäftigte an den Standorten Sennfeld und Waldsassen. Ziel des Verfahrens ist eine Sanierung sowie eine Investorenlösung für die deutschen Gesellschaften. Ein zuvor geplanter Verkauf der gesamten Accell Group ist gescheitert.

Wichtig zu wissen: Eine Insolvenz bedeutet nicht automatisch, dass Marken wie Haibike, Ghost oder Winora eingestellt werden. Derzeit wird vielmehr geprüft, welche Marken und Unternehmensteile eigenständig fortgeführt oder an neue Investoren übergeben werden können.

Warum ist Accell in diese Lage geraten?

Die Gründe sind vielschichtig. Nach dem Fahrradboom der Corona-Jahre ist die Nachfrage deutlich zurückgegangen, während gleichzeitig hohe Lagerbestände abgebaut werden mussten. Starke Preisnachlässe drückten die Margen. Hinzu kommt eine hohe Verschuldung des Konzerns sowie Kosten für Umstrukturierungen und Werksschließungen. Auch der Rückruf von Babboe-Lastenrädern belastete die Finanzen zusätzlich. Trotz mehrerer Finanzierungs- und Sanierungsversuche in den vergangenen Jahren gelang es nicht, die Liquidität dauerhaft zu sichern.

Die Fahrradbranche insgesamt steht stabiler

Die Krise von Accell bedeutet nicht, dass die gesamte Fahrradbranche in Schwierigkeiten steckt. Laut ZIV – Die Fahrradindustrie wurden 2025 in Deutschland rund 3,8 Millionen Fahrräder und E-Bikes verkauft, darunter etwa 2 Millionen E-Bikes. Der E-Bike-Anteil lag bei rund 52,7 Prozent. Der Werkstattumsatz stieg 2025 sogar um 13,5 Prozent. Der Markt befindet sich weiterhin in einer Normalisierungsphase nach den Rekordjahren, zeigt insgesamt aber eine Stabilisierung.

Bei Accell treffen diese allgemeinen Marktherausforderungen zusätzlich auf eine sehr hohe Verschuldung, eine komplexe Konzernstruktur mit vielen Marken und Ländern sowie besondere Kostenbelastungen – eine Kombination, die deutlich schwerer wiegt als die branchenweite Normalisierung allein.

Was bedeutet das für Kundinnen und Kunden?

Bereits gekaufte Fahrräder und E-Bikes von Haibike, Ghost oder Winora können selbstverständlich weiterhin genutzt und gewartet werden. Viele Bauteile wie Motoren, Schaltungen oder Bremsen stammen ohnehin von unabhängigen Herstellern wie Bosch, Shimano oder Yamaha und sind von der Situation nicht betroffen. Bei markenspezifischen Ersatzteilen, Rahmen oder besonderen Komponenten kann es mittelfristig zu Unsicherheiten kommen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen gesetzlicher Gewährleistung und freiwilliger Herstellergarantie: Die gesetzliche Gewährleistung besteht grundsätzlich gegenüber dem Händler, bei dem das Fahrrad gekauft wurde – unabhängig von der Situation des Herstellers. Ob und wie freiwillige Herstellergarantien langfristig fortgeführt werden, hängt vom weiteren Verlauf der Verfahren und möglichen Investoren ab. Aktuell ist nicht davon auszugehen, dass Garantien bereits erloschen sind.

Fazit

Die Accell Group steht vor einer tiefgreifenden Neuordnung. Noch ist nicht entschieden, wie es mit den einzelnen Marken weitergeht. Bekannte Namen wie Haibike, Ghost und Winora besitzen jedoch weiterhin einen hohen Markenwert und ein großes Händlernetz. Deshalb bestehen durchaus Chancen, dass einzelne Marken oder deutsche Unternehmensteile durch neue Investoren fortgeführt werden. Fahrrad Gäde verfolgt die weitere Entwicklung und informiert, sobald verlässliche neue Informationen vorliegen.

Quellen und weitere Informationen

  • Accell Group: Pressemitteilung “Accell granted suspension of payments” (5. August 2026) – accell-group.com
  • SAZbike: “Accell Germany und Tochtergesellschaften beantragen Insolvenz in Eigenverwaltung” – sazbike.de
  • ZIV – Die Fahrradindustrie: “Marktdaten der Fahrradwirtschaft 2025” – ziv-zweirad.de
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